Meine Gedanken zu Weihnachten

Liebe Kleinprobstdorferinnen und Kleinprobstdorfer,

die Zeit, als ich, Uwe Schuller, die Sommerferien oftmals in Kleinprobstdorf bei meinen
Großeltern Regina und Stefan Grigori sowie bei meinen Tanten Anni und Magda verbrachte,
liegt nun schon mehr als 20 Jahre zurück.
Es war eine für mich sorgenlose und unbekümmerte Zeit. Wir hatten keinen erwähnenswerten Wohlstand. Wir hatten nur uns. Keine Handys. Keine Computer. Kein High-Tech.
Trotzdem oder gerade deswegen war meine Kindheit in Siebenbürgen die bisher mit
Abstand schönste Zeit meines Lebens.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn nicht jeder diese Meinung teilt. Viele Menschen
hatten damals mit Problemen und Sorgen zu kämpfen, die ich als Kind nicht mitbekam
beziehungsweise die von mir ferngehalten wurden.
Ich will hier keinesfalls den Eindruck erwecken, dass ich mit dem damaligen politischen
System in Rumänien, dem Kommunismus, sympathisiere. Ich will es mal ganz deutlich
ausdrücken: Der Kommunismus widert mich genauso sehr an wie es auch der Kapitalismus
tut!
Wie der Kapitalismus die Gesellschaft prägt und verdirbt, ist gerade in der Weihnachtszeit
in besonderem Maße zu beobachten.
Der Tag der Geburt Jesu Christi ist das Fest der Liebe und der Nächstenliebe, der Freude
und natürlich auch der Familie und der Besinnlichkeit.
Die Realität sieht heutzutage leider anders aus: Der Kommerz steht im Mittelpunkt, das
„Fest aller Feste“ ist zum „Fest des Konsums“ verkommen. Hauptschuldig daran ist vorwiegend die sogenannte freie und „soziale“ Marktwirtschaft, sowie eine daraus resultierende, zumindest größtenteils, zunehmend verblödende Gesellschaft.
Insbesondere bei vielen jungen Leuten sieht es traurig aus. Oft verbringen sie ihre
Freizeit mit unsinnigen technischen Spielereien oder mit dumpfen Gewalt- oder
Ballerspielen am PC.
Viele kennen keinerlei Gedichte oder die Texte der Weihnachtslieder, ja einige wissen
noch nicht einmal, was an Weihnachten überhaupt gefeiert wird! Geschenke sind alles,
was für viele von der heutigen jungen Generation zählt.
Man sollte gerechterweise nicht nur den jungen Menschen den "schwarzen Peter"
zuschieben, denn während wir früher in Siebenbürgen schon Wochen vor Weihnachten
die Weihnachtslieder übten, wird hierzulande seitens der Bildungseinrichtungen
bedauerlicherweise kaum noch Wert darauf gelegt, die Kinder in die Welt der Gedichte,
der Lieder und der Literatur im Allgemeinen einzuführen.
Man sollte sich, was Geschenke betrifft, in Bescheidenheit üben, denn Geschenke sind
nicht das, worauf es an Weihnachten ankommt.
Ein gemütliches und hoffentlich gesundes Beisammensein der Menschen, die einem sehr
nahe stehen, gemeinsam Weihnachtslieder unterm Weihnachtsbaum singen (mit
instrumentaler Begleitung, etwa Gitarre, umso schöner) und später dann in besinnlicher
Runde zusammen essen – schöner kann ein Weihnachtsfest nicht sein. Das ist zumindest
meine Meinung.
Geschenke sind, finde ich, etwas für Kinder. Es gibt kaum etwas Schöneres als vor
Freude leuchtende Kinderaugen unterm Weihnachtsbaum, welche mit den Kerzen am
Baum um die Wette strahlen.
Ich habe neulich den Beitrag von Regina Roth („Nintant“) im „Kleinprobstdorfer
Heimatblatt“ über die Vorbereitung auf Weihnachten gelesen. Wehmütig habe ich mich
an Weihnachten in Siebenbürgen erinnert. Was haben wir uns damals über die Päckchen,
die wir in der Kirche bekamen, gefreut! Wenn zusätzlich zu dem Gebäck, den Äpfeln und
Nüssen auch noch ein Kugelschreiber oder ein paar Hefte in dem Päckchen waren, war
die Freude schier grenzenlos. Und heute? Viele Kinder sind undankbar und derart
verwöhnt, dass sie den Rachen nicht voll genug bekommen können!
Voller Stress und Hektik mühen sich viele Menschen durch proppenvolle Geschäfte, um
Geschenke zu kaufen. Hat man sich zu den Regalen durchgekämpft, zermartert man sich
den Kopf darüber, was man dem einen und dem anderen kaufen soll. Mit den gekauften
Geschenken liegt man nicht selten daneben. Heiligabend begehen dann viele aufgrund
des vorweihnachtlichen Stresses ziemlich entnervt und ausgebrannt. Oft geht der Trubel
danach weiter, denn: Geschenke umtauschen steht auf dem Plan, weil viele mit ihren
Geschenken wieder einmal danebenlagen.
Wo bleibt da die Besinnlichkeit? Warum tun sich so viele Menschen diesen unnötigen
Stress an? Warum begeht man das Weihnachtsfest nicht einfach ohne Geschenke,
unbeschwert und unbekümmert, so, wie ich in Siebenbürgen meine Kindheit erlebt habe?
Man sollte besonders in der Weihnachtszeit an das unsägliche Elend und die Not auf
diesem Planeten denken. An die Millionen hungernden und kranken Kinder, an die Verstümmelten und Verwundeten in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt. Anstatt sich in dieser Überflussgesellschaft noch zusätzlich Weihnachtsgeschenke um die Ohren zu hauen, sollte man lieber für diese Menschen spenden, damit wenigstens zur
Weihnachtszeit ein Funken Licht in ihr vom Schicksal gebeuteltes Leben kommt.
In der heutigen hektischen Zeit hoffe ich, dass wir alle über die Weihnachtsfeiertage im
Kreise unserer Liebsten Besinnlichkeit finden. Ich wünsche allen Kleinprobstdorferinnen
und Kleinprobstdorfern ein frohes, gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest sowie ein
gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2011.

Schöne Grüße aus Gummersbach,
Uwe Schuller

Gedicht: Weihnachtszeit


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