Damals am Heiligen Abend als die Zeit noch einfacher war weil wir uns noch freuen konnten an Kugeln und Engelshaar, am wärmenden Licht der Kerzen, an knirschenden Schritten im Schnee und tanzenden Flocken am Himmel, am Festglockenklang aus der Höh’. Tag’s fuhren wir noch mit dem Schlitten die Mutter schmückte den Baum, sie sagte es sei das Christkind – der Welt schönster Kindertraum. Dann kam der ersehnte Abend, die Kehle wie zugeschnürt beim Anblick der berstenden Kirche, viele Augen zu Tränen gerührt. Es strahlten die Wunderkerzen vom Turm hoch das „Gloria“ klang, man reichte sich friedlich die Hände dann führte heimwärts der Gang. Geschenke, nicht so viel wie heute, was Süßes, ein Spielzeug – mehr kaum, das wichtigste war das Christkind, der leuchtende Tannenbaum, das knisternde Feuer im Ofen, dazu die Lieder – ganz sacht, beim Essen gemütlich zusammen, so still war die Heilige Nacht. Damals am Heiligen Abend, wie war die Zeit doch so schön, die Gedanken allein gehn auf Reisen sperr sie nicht ein – lass’ sie gehn!
Bruno Roth
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